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Butzbach, 12. Juni 2018

Abschiedsrede des scheidenden Butzbacher SPD-Vorsitzenden Michael J. Mentz

Das Berichtsjahr war neben den alltäglichen Aufgaben eines Parteivorsitzenden wie Vorstandssitzungen etc. von der Teilnahme an Kooperationssitzungen durch die Bundestagswahl am 27.9.2017 geprägt.

Obwohl die Butzbacher SPD einen engagierten Wahlkampf betrieben hat – so haben wir u.a. am 12.8. den von Klaus-Jürgen Fricke initiierten Irischen Abend mit irischer Musik und dem dazu gehörigen Bier in der Alten Turnhalle wiederaufleben lassen. Mit Natalie Pawlik hatten wir eine junge, kluge und engagierte Direktkandidatin, die es leider trotz ihres aufopferungsvollen Wahlkampfes und eines stolzen Erststimmen-Ergebnisses nicht geschafft hat, in den Bundestag einzuziehen. Auch wenn wir bei den Zweitstimmen mit 23,7 % geringfügig über dem Bundesergebnis von 20,5 % lagen, muss auch das SPD-Ergebnis in Butzbach als enttäuschend bezeichnet werden. Wir konnten uns vom Bundestrend nicht entscheidend abheben.

Der Auswertungsbericht der SPD-Spitze mit gut 100 Seiten unter dem Titel „Aus Fehlern lernen“ zeigt eine Vielzahl von Fehlern auf, von denen ich hoffe, dass sie im Sinne der Überschrift der Analyse konsequent aufgearbeitet werden.

Unmittelbar nach der BTW folgte der Wahlkampf für die Landratswahl im März dieses Jahres. Leider konnte sich unsere Butzbacher Kandidatin Stephanie Becker-Bösch trotz eines engagierten Wahlkampfes u.a. mit dem SPD – Neujahrsempfang am 16.1. in Butzbach nicht durchsetzen. Der Bundestrend, aber auch der Umstand, dass erneut ein SPD-Landrat vor Ablauf seiner Amtszeit zur OVAG gewechselt war, stellten eine Hypothek dar, die kaum zu schultern war. Bemerkenswert war die Wahlkampfunterstützung durch die vielen neuen Mitglieder, die wir nach der BTW gewinnen konnten. Ein kleiner Trost mag sein, dass Stephanie, sofern nichts dazwischenkommt, das Amt der 1. hauptamtlichen Kreisbeigeordneten für die laufende Wahlperiode bekleiden wird, dass die Zuständigkeit für Soziales und Gesundheitsfürsorge umfassen wird.

Zur Stadtpolitik wird unser Bürgermeister berichten. Ich stelle hierzu nur fest: Entgegen der apokalyptischen Abgesänge derjenigen, die sich ständig in der örtlichen Presse und bei allen möglichen anderen Gelegenheiten herabwürdigend über unsere Stadt auslassen, befindet sich unsere Stadt in einem guten Zustand. Sie blüht, wächst und gedeiht; das bestätigen immer wieder auswärtige Besucher. Zuletzt konnten wir in der Butzbacher Zeitung lesen, dass unsere Stadt diejenige ist, die in der Wetterau den stärksten Einwohnerzuwachs zu verzeichnen hat.

Fakt ist, dass die SPD – insbesondere dank unseres Bürgermeisters Michael Merle - die stabilisierende Kraft in der örtlichen Politik, aber auch in der Kooperation mit CDU und Grünen ist. Weil unser Bürgermeister begriffen hat, dass „Führen“ immer „Zusammenführen“ beinhalten muss.

Wir werden alle Kraft investieren müssen, damit das nach der Bürgermeisterwahl am 28.10. so bleibt. Die letzten Wochen belegen eindrucksvoll, dass Michael Merle das Wohl unserer Stadt wichtiger ist als der kurzfristige Erfolg. Abschließend möchte ich mich beim gesamten Vorstand und allen, die mich in früheren Wahlperioden unterstützt haben, für die meist gute Zusammenarbeit bedanken.

In Gesprächen mit unserem Butzbacher Willi (Görlach) habe ich einen Grundsatz erlernt, den man als SPD-Vorsitzender mit Gelassenheit ertragen muss: Wenn in der SPD etwas klappt, dann ist es das Verdienst des Vorstandes – gelingt etwas nicht, dann trägt der Vorsitzende die Schuld.

Apropos Verantwortung: Besonderer Dank gilt unserem Kassierer Manfred Kruschke, der unsere Kasse mit unzähligen Unterkassen mit großer Gründlichkeit durch das mit vielen Fallstricken versehene Terrain führt. Dafür, lieber Manfred, ausdrücklichen Dank!!

Heute gilt es Abschied zu nehmen von unserem langjährigen Vorstandsmitglied Kalli Wolf. Er wird zusammen mit seiner Frau Heidi seinen Lebensabend im Land zwischen den zwei Meeren verbringen. Kalli war insbesondere in den Wahlkämpfen immer derjenige, der ganz an der Front stand, wenn es darum ging, die Bürgerinnen und Bürger durch Plakate zur Wahl unserer SPD zu bewegen.

Also lieber Kalli, als Dank für Deine Mitarbeit möchte Dir im Namen des Vorstandes ein kleines Geschenk überreichen: Du warst über lange Zeit ein treues und verlässliches Mitglied des Butzbacher SPD-Ortsvereinsvorstandes. Wir wünschen Euch eine gute Zeit in Schleswig-Holstein.

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass die Butzbacher SPD im letzten Jahr einen erheblichen Zuwachs an Mitgliedern - überwiegend im jugendlichen Alter – zu verzeichnen hatte. Dank der Initiative von Anne Thomas und Anderen nach vielen Jahren ist es gelungen, eine Butzbacher JuSo-AG zu gründen. Parteinachwuchs – da wächst etwas nach - und das ist gut so!

Gestattet mir zum Abschluss eine persönliche Bemerkung: Als ich im März 2007 zum ersten Mal zum Ortsvereinsvorsitzenden gewählt wurde, habe ich mir nicht vorstellen können, dass ich dieses Amt elf Jahre ausüben würde. Ich darf in diesem Zusammenhang auf ein im Dschungelroman des Schriftstellers B. Traven beschriebenes Ritual hinweisen: Ein mexikanischer Indianerstamm pflegte beim Häuptlings-Wechsel folgende Übung. Sie zogen dem Neugewählten die Hose runter und hielten ihn mit dem nackten Hintern einen Augenblick übers Feuer. Du sollst nicht zu lange auf deinem Häuptlings-Stuhl sitzen bleiben, so in etwa könnte man das Bild deuten. Elf Jahre, vielleicht habt Ihr mich ja nicht lange genug über das Feuer gehalten. Ungeachtet dieses Rituals bin ich vor einiger Zeit zur Überzeugung gelangt: jetzt ist es genug.

Nachdem ich meine ersten Schritte in der Kommunalpolitik in meiner Geburtsstadt Köln gemacht habe und wegen der mit der Größe der Stadt bedingten komplexen Unübersichtlichkeit nur schwerlich erkennen konnte, wo ich eingreifen musste, wenn ich gestalten wollte. In meiner neuen Wahlheimat Butzbach, in die es mich u.a. wegen meiner Berufswahl verschlagen hat, habe ich mein politisches Engagement immer im Sinne des athenischen Staatsmannes Perikles verstanden: Wer an den Dingen seiner Gemeinde keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger.

Ich gebe mit dem heutigen Tage zwar ein Parteiamt auf, das zu bekleiden, mir überwiegend Freude bereitet hat. Aber mir verbleiben noch viele Aufgaben in den verschiedensten Lebensbereichen. Außerdem fühle ich mich unverändert der Stadt, dem Land, in dem ich lebe, in Dankbarkeit verbunden. Von daher wird es auch in Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein, mich einzubringen.

Nochmals herzlichen Dank allen, die mich in der Zeit meiner Vorstandschaft begleitet und unterstützt und beraten haben. Wir werden also heute nicht nur einen neuen Vorstand, sondern auch eine neue Parteispitze wählen. Unserem neuen Vorsitzenden/unserer neuen Vorsitzenden erlaube ich mir folgende Kenianische Redensart mit auf den Weg zu geben:

Wenn Du schnell gehen willst,
so geh allein.
Aber wenn Du weit gehen willst,
so geh mit anderen zusammen.

Michael J. Mentz


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