Ein überzeugter Sozialdemokrat und Naturschützer

Die SPD Butzbach trauert um Dr. Jochen Stahl-Streit. Der verdiente und engagierte Sozialdemokrat verstarb am 26. Juni 2014 im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit. Er war annähernd 45 Jahre Mitglied der SPD.
Jochen Stahl-Streit wurde am 26. Januar 1937 in Kassel als Sohn eines Forstmeisters geboren. Nach dem Abitur in Marburg studierte er von 1958 bis 1962 in Göttingen, München und Freiburg Forstwirtschaft. Im Anschluss daran promovierte er über das Thema „Forststatistiken in Deutschland und Möglichkeiten ihrer Verbesserung“. Nach Stationen in den Forstämtern Hadamar und Eltville übernahm er 1986 das Forstamt Butzbach. Als engagierter Kämpfer für die Renaturierung des Waldes stoppte Jochen Stahl-Streit die radikalen Kahlschläge und war über Butzbach hinaus hessenweit Vorreiter für eine naturgemäße Waldwirtschaft.
Neben seinem beispielhaften Einsatz für die Natur war Dr. Jochen Stahl-Streit ein engagierter Kommunalpolitiker. Annähernd zehn Jahre lenkte er bis Anfang der 90ziger Jahre als Vorsitzender die Geschicke der SPD in seiner Heimatstadt Butzbach. Über zwanzig Jahre war er von 1985 bis 2006 Mitglied des Wetterauer Kreistages. Infolge seines politischen Geschickes hatte er von 1997 bis 2006 den Vorsitz im Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages inne. In der letzten Wahlperiode von 2003 bis 2006 gehörte Jochen Stahl-Streit dem Vorstand der SPD-Fraktion an. Zur Anerkennung seiner Verdienste in der Kreispolitik wurde er 2006 zum Ehrenkreistagsmitglied ernannt.
Von 1997 bis 2008 vertrat er die SPD Butzbach als Delegierter bei Unterbezirks-parteitagen.
Jochen Stahl-Streit war nicht nur Mitglied der SPD, er lebte auch deren Ideen und Werte wie nur wenige andere. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand engagierte er sich u.a. bei der Butzbacher Tafel und blieb so nah bei den Sorgen der Menschen.
Im Kampf für eine ökologische Waldwirtschaft veröffentlichte er eine Vielzahl von Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften, mit denen er sich immer wieder für den Fortschritt des Forstwesens stark machte. Sein unermüdliches Engagement lässt sich auch daran ablesen, dass er trotz seiner ernsthaften Erkrankung noch bis ins Frühjahr 2014 seine jahrelange Funktion als Schriftleiter der Fachzeitschrift der „Dauerwald“ ausübte. Diese Zeitschrift ist das Sprachrohr der „Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft“.
Der Butzbacher SPD-Vorsitzende Michael J. Mentz weist in seinem Nachruf ausdrücklich darauf hin, dass der Titel „Dauerwald“ für das forstwirtschaftliche Credo des Verstorbenen stehe: Im Gegensatz zum Altersklassenwald zeichne sich Dauerwald durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Altersklassen aus. Im Dauerwald seien zu jeder Zeit ausreichend alte Bäume vorhanden, die viele Tier- und Pflanzenarten unbedingt brauchen. Vereinfacht gesagt: Wo früher ganze Schläge mit einem Mal gehauen wurden, sollen in einem Dauerwald immer nur einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen entnommen werden. Jüngere, schlecht geformte Bäume und solche, die reif für die Ernte sind. Jeder Quadratmeter Waldbodens soll dauerhaft auch wirklich mit Wald bestanden sein – Kahlschläge kommen nicht mehr vor.
Mit Jochen Stahl-Streit verliert nicht nur die SPD ein engagiertes Mitglied und die Stadt Butzbach einen integeren und bürgernahen Menschen und Naturschützer, der für nachfolgende Generationen ein Vorbild sein wird.
Eine schwere Krank­heit, gegen die er lange ge­kämpft hat, hat Jochen Stahl-Streit am 26. Juni aus unserer Mitte ge­rissen. Er wurde 77 Jahre alt und hinterlässt seine Ehefrau Heidi, zwei Kinder und zwei Enkel.
Die SPD in Butzbach und im Wetteraukreis trauert um Dr. Jochen Stahl-Streit und wird Ihm stets in ehrendem Gedenken bewahren. Seiner Familie sprechen wir unser aufrichtiges Mitgefühl aus.

Michael J. Mentz